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Tech-Brain braucht Pause: Warum echte Erholung produktiv macht

Warum bewusste Pausen in der IT kein Luxus, sondern eine Voraussetzung für echte Produktivität sind.

August 20, 2025

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Es gibt Tage, da starre ich zehn Minuten auf eine Codezeile, die gestern noch funktioniert hat. Ich scrolle durch Stack Overflow, als würde dort zwischen den Zeilen eine magische Antwort auf mein Problem lauern. Nichts. Gar nichts. Mein Kopf fühlt sich an wie eine überladene Festplatte – und trotzdem fällt mir der Gedanke schwer, einfach mal nichts zu tun.

In der IT arbeiten wir oft mit dem Kopf, aber behandeln ihn wie einen Muskel, der unbegrenzt belastbar ist. Konzentration, Problemlösen, mentale Flexibilität – all das kostet Energie. Und doch fällt es vielen schwer, bewusst Pause zu machen. So richtig. Ohne nebenbei doch nochmal die Mails zu checken oder „nur kurz“ ein neues Tool auszuprobieren.

Der Mythos der Dauerproduktivität

In der Tech-Welt wird Überarbeitung oft romantisiert. Wer spätabends noch „eine Kleinigkeit deployed“ oder am Wochenende „aus Spaß ein neues Framework testet“, gilt als engagiert. Klar: Begeisterung für Technik ist etwas Schönes. Aber wenn die Grenze zwischen Arbeit und Freizeit dauerhaft verschwimmt, droht ein Zustand, den man schwer greifen kann – geistige Erschöpfung.

Dabei zeigt die Forschung schon lange: Erholung ist keine Unterbrechung der Produktivität, sondern ihre Voraussetzung. Unser Gehirn braucht Leerlauf, um Informationen zu verarbeiten, kreative Verknüpfungen herzustellen und sich zu regenerieren.

Schlaf, Leerlauf, Langeweile

Was wirklich hilft, ist oft das, was wir als „nichts“ abtun:

  • Schlaf: Wer nachts zu wenig schläft, verliert nicht nur an Konzentration, sondern auch an Problemlösefähigkeit. Bugs lassen sich nicht mit müden Augen fixen.
  • Leerlauf: Spazierengehen ohne Podcast. In den Himmel starren. Kaffee trinken ohne Screen. All das sind keine Zeitfresser, sondern mentale Defragmentierung.
  • Langeweile: Der Zustand, den wir gern mit Netflix oder Instagram betäuben, ist eigentlich die Spielwiese unseres Gehirns. Viele gute Ideen entstehen genau dann, wenn wir nicht aktiv nach ihnen suchen.

Nichtstun ist ein Skill

Ich musste erst lernen, dass echte Pausen nicht nur erlaubt, sondern notwendig sind. Anfangs fühlte es sich komisch an, nachmittags einfach so das Notebook zuzuklappen – ohne alles erledigt zu haben. Aber was ich merkte: Am nächsten Tag war ich klarer, schneller, freundlicher zu mir selbst (und meinem Code).

Heute versuche ich, regelmäßige Off-Zeiten fest einzuplanen. Kein Slack, kein GitHub, kein schlechtes Gewissen. Stattdessen: Lesen, tanzen, wandern, gärtnern – irgendwas, das nicht mit Syntax zu tun hat. Manchmal auch einfach: gar nichts.

Zwischen produktiv und präsent

Vielleicht ist es auch eine Frage von Selbstbild: Muss ich immer „Output“ liefern, um wertvoll zu sein? Oder darf ich einfach existieren, fühlen, auftanken – gerade weil ich so viel leiste? Wer in einem fordernden Beruf wie IT langfristig gesund bleiben will, sollte sich nicht nur um Tools und Skills kümmern, sondern auch um sich selbst. Und das beginnt manchmal mit einer einzigen bewussten Pause.

Tech braucht Menschen. Und Menschen brauchen Pausen.

Vielleicht ist das Beste, was du heute für deine Produktivität tun kannst: mal für eine Weile gar nichts.

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